
Das Christentum bringt einen reichen Schatz semantischer und praktischer Formen hervor, aus dem die Theologie schöpft, und mit dem sie zugleich für andere Wissenschaftsgebiete interessant ist. Diesen Schatz im Detail zu heben, ist das Ziel meiner Forschung. Dabei lasse ich mich von anderen wissenschaftlichen Disziplinen inspirieren, besonders von der Philosophie, der Soziologie, der Ethnologie und der Psychologie.
Ich arbeite an einer theologischen Theorie des christlichen Glaubens, für die das Gegenüber zum Judentum und zu den anderen Religionen, die historischen Veränderungen der eigenen Tradition und die vielfältigen Kommunikationsbedingungen der modernen Gesellschaft von hoher Relevanz für die Wahrheitsfrage sind.
Ausgehend von der historischen Untersuchung des Sinns der Zwei-Naturen-Formel des Konzils von Chalkedon (451) in ihren semantischen Einbettungen der Zeit sollen Lehren für eine theologische Auseinandersetzung mit religiösen Vorstellungen in den modernen Massenmedien, Literatur, Film und Computer heute gezogen werden. Im Vordergrund stehen Unterscheidungen wie fiktiv und real, davor und dahinter, religiös und areligiös. Die Formel von Chalkedon arbeitet mit der Paradoxie von Einheit und Unterschiedenheit. Auf diese Weise sorgt sie, so die These, für eine Vielfalt und eine Beweglichkeit der christlichen Formen des Welt- und des Selbstverstehens.